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| ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 | ||||||||||||||
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Kompositionell zeigen Friedrichs Bilder nicht mehr das bis dahin
übliche Schema mit den das Hauptmotiv kulissenartig rahmenden Bäumen
oder Felsen. Bei den Zeitgenossen riefen sie daher Verwunderung und Unbehagen
hervor. Bezeichnend ist die Empfindung, die Brentano und Kleist zu den
Gemälde “Der Mönch am Meer” mit den Worten
äußerten: “ ... Da es in seiner Einförmigkeit und
Uferlosigkeit nichts als den Rahmen zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es
betrachtet, als wenn einem die Augenlieder weggeschnitten wären.”
Ähnlich wie dieses Bild, wenn auch nicht immer in so ausgeprägter
Form, sind auch zahlreiche andere Werke durch solche Horizontalen bestimmt, in
denen die verschieden Pläne der Landschaft- Himmel und Erde, Land und
Wasser, Vorebene und Gebirge, Vorder- und Hintergrund- voneinander geschieden
werden. Mann konnte von den alten Sehgewohnheiten her dem Maler hier nur schwer
folgen, und auch Goethe nahm daran Anstoß, weil es ihm schien, als ob die
Bilder um einen Mittelpunkt drehbar wären und auf dem Kopf gestellt werden
können. Friedrich hat den Vordergrund häufig dunkel gehalten und-
indem er den Mittelgrund durch Überschneidungen stark verkürzte- nicht
selten zu einer Raumschranke gemacht, über der die Ferne als das
eigentliche Ziel des Schauens hell aufsteigt. In religiös- allegorischem
Sinne ist diese darum als lichte Vision und Symbol für das ersehnte
jenseitige, als unbetretbar gedachte Reich des Friedens und der Freude
interpretiert worden. Es ist aber zu bemerken, daß Friedrich sich auch
hier offenbar weitgehend von ästhetisch- gestalterischen Erwägungen
leiten ließ. “Auge und Phantasie fühlen sich im allgemeinen
mehr von der duftigen Ferne angezogen als von dem, so nah und klar vor Augen
liegt”, äußerte er im Wissen um die psychologischen Wirkungen
künstlerischer Mittel und warnte davor, Luft und Ferne zu dunkel
anzufangen, weil sonst “im Mittelgrund schon alle Kraft und Saft der
Farben verwendet ist und für den Vordergrund nichts übrig bleibt". Die
Farbe in Friedrichs Bildern überwindet in feingestimmten Akkorden von
größere Zartheit, Transparenz und Helligkeit restlos die vordem
üblich gewesene Tonigkeit. Von ihr gehen zum großen Teil die
Stimmungswerte aus, und somit ist diese Malerei ein Exempel auf die
Bemühungen Runges um eine symbolische Interpretation der Farben zur
Belebung der Landschaftsmalerei, aber ebenso auf die Farbenlehre Goethes, die
der psychologischen Bedeutung der Farben nachgeht.
Friedrich zeichnete seine Kompositionen in höchster Sorgfalt in den
Umrissen auf, legte sie mit einer monochromen Untermalung an und arbeitete dann
mit leuchtenden Lasuren. Wie Carus mitteilt, sahen seine Bilder in jedem Stadium
bestimmt und geordnet aus, wie es seiner Lauterkeit und eher biedermeierlichen
Ordnungsliebe entsprach. Bei fast aquarellartiger Wirkung hat Friedrich die
feinsten Tonabstufungen erzielt und mit ihrer Hilfe atmosphärische
Situationen in der Differenzierung wiederzugeben vermocht wie kein Künstler
je zuvor. Was er beim intensiven Naturstudium an Form- , Licht- und Farbenwerten
aufnahm; wurde beim Malen aus der Vorstellung der Bildidee untergeordnet. Um die
feinen atmosphärischen Schwebezustände und die damit verbundenen
Stimmungswerte sichtbar zu machen, mußte der Maler die Materialität
der Dinge oft bis zur Schemahaftigkeit zurückdrängen- wie es auch der
optischen Realität entspricht. So enthalten Friedrichs Bilder für den,
der sie nicht von ihrer Stimmung her zu erfassen vermag, rein quantitativ in der
Tat nur wenig. Sie sind nicht pittoresk und dekorativ, sondern eher karg und
spröde, fern jeder artistischen Routine, vielmehr oft von scheinbarer
Zaghaftigkeit und Naivität. Selbst Carus verstand wohl ihre ungewohnte
Schönheit nicht völlig, wenn er schreiben konnte: “Die Dinge
geben dem Sinn nur wenig, dem Geist das meiste” und von einem zwar
“tiefpoetischen, doch oft auch etwas finsteren und schroffen Stil der
Landschaft” sprach. Goethe, der ihn übrigens beachtlich
gefördert hat, nannte die Gedanken der Arbeiten Caspar Friedrichs
“zart, ja fromm, aber in einem strengen Kunstsinne nicht durchgängig
zu billigen”, lobte die “bewunderungswürdig sauber getuschten
Landschaften”, vermißte aber “wohltuende Befriedigung”,
“wahres Colorit”, “ gefällige Beleuchtung” und
“Formen der schönen Natur” und war der Meinung, daß der
Maler sich “wegen Vernachlässigung der Kunstregeln mit allen seinen
Geschmacksgenossen... im gleichen Nachteil” befände- ein Urteil, das
deutlich von der klassizistischen Kunstauffassung geprägt erscheint.
“Sehr einfach, ärmlich, ernst und schwermutsvoll, glichen Friedrichs
Phantasien ... den Liedern jenes alten Keltensängers, deren Stoff nichts
ist als Nebel, Bergeshöhe und Heide”, schrieb Wilhelm von
Kügelgen, und die Malerin Caroline Bardua bezeugte: “Wie er in seinem
Wesen erschien: still, verschlossen, weltscheu, absonderlich, tief denkend, voll
warmer Liebe für Kunst und Natur- so waren auch seine Bilder: wunderbar
einfach, melancholisch, eigentümlich, voll geistreicher religiöser
Bedeutung”.
Bei aller Selbstgewißheit und Entschiedenheit des Wollens war
Friedrich gegen sich selbst stets kritisch bis zum Zweifel am eigenen
Können und gleichzeitig zur Anerkennung der Leistungen anderer bereit, ein
Mensch “von strenger Rechtlichkeit, Geradheit und Abgeschlossenheit ... ,
aller Ostentation fremd wie jeder luxuriöse Geselligkeit”.
Bescheidenheit bestimmte sein Lebensstil, und auch die überraschende Heirat
mit Caroline Bommer, einer “einfachen und stillen Frau, die ihm nach und
nach einige Kinder gebar”, änderte sein Wesen und Leben kaum, wie wir
von Carus erfahren.
Daß Caspar David Friedrich sich mit seiner Kunstauffassung
völlig von den Traditionen der Akademie löste, mußte ihm
schließlich zum Nachteil gereichen. Da er die Kunst als Sprache der
persönlichen Empfindung ansah und somit auch zu ganz persönlichen,
nicht übertragbaren Gestaltungsmitteln fand, konnte er als Lehrer nicht
geeignet erscheinen. Solche Äußerungen wie: “ Nicht unterwiesen
zu sein, ist oft für geistig begabte Menschen ein Glück. Das viele
Lehren und Unterweisen ertötet nur zu leicht das Geistige im
Menschen”, stellten den Wert von Kunstschulen schließlich
überhaupt in Frage. Friedrichs Kunst hat ebenso außerhalb der
Akademie und im Widerspruch zu dieser gestanden wie etwa die große
französische Malerei des 19. Jahrhunderts von Delaroix und der Schule von
Barbizon über Courbet bis zu den Impressionisten. Mit der an sich logischen
Begründung- in richtiger Erkenntnis der entschiedenen Subjektivität
seines Schaffens- , daß Friedrich seine Höhe weniger seinem Studium
als seinem Genie verdankte, wurde ihm die ersehnte Professur an der
Landschaftsklasse verweigert. Hier liegt ein Teil der Tragik dieses Malers:
Gerade er, dem es um den sittlichen Einfluß der Kunst so ernst war, konnte
die Möglichkeit für ein Wirken in die Breite nicht gewinnen. Daß
Caspar David Friedrich nicht im engen Sinne schulbildend wurde und kaum
unmittelbare Nachfolger fand- ausgenommen Carl Gustav Carus und in gewissen
Maße den in der Motivik seiner Werke sehr ähnlichen Norweger Johan
Christian Clausen Dahl, mit dem Friedrich zwei Jahrzehnte lang in einem Hause
wohnte, weiterhin den mehr biedermeierlichen Georg Friedrich Kersting und Ernst
Ferdinand Oehme- , lag freilich mehr in der Unwiederholbarkeit dieser Kunst
begründet. Friedrichs revolutionierende Auffassung, seine
künstlerischen Prinzipien wie der Schatz seiner überaus
eigenständigen Ausdrucksmöglichkeiten haben die Malerei der Folgezeit
wesentlich bereichert, ohne daß sie im einzelnen daraus zu lösen
wären.
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